Welttag gegen Rassismus

 

Die Geschehnisse der letzten Jahre konfrontieren uns einmal mehr mit einer allgegenwärtigen und noch immer nicht aus den Köpfen vertriebenen Fremdenfeindlichkeit in Deutschland. Egal ob die AfD in Deutschland, Morde von weißen Polizisten an schwarzen Bewohnern in den USA oder der allgegenwärtige Antisemitismus weltweit – Rassismus ist immer noch ein Phänomen, das Tag für Tag reproduziert wird. Mal sehr bewusst, mal aufgrund von mangelnder Reflektion. Doch was bedeutet Rassismus eigentlich? Wie macht er sich bemerkbar? Und welche Formen lassen sich dabei unterscheiden? Das möchte ich vor dem Hintergrund des Welttages gegen Rassismus näher erläutern.

Herkunft und sprachliche Besonderheiten

Seit Beginn des Kolonialismus leitete sich Rassismus von der fälschlichen Annahme ab, dass der Mensch in unterschiedliche Rassen gegliedert werden kann. So schrieben sich die Kolonialländer der “weißen Rasse”, die oberste Rolle in der Hierarchie von Rassen zu und stempelten die “schwarze Rasse” als weniger wert ab. Rassismus ist also eine Ideologie, die sich durch das Klassifizieren und Bewerten von Menschen anhand von äußeren oder kulturellen Merkmalen erkennbar macht.

Heutzutage ist man sich darüber im Klaren, dass es keine verschiedenen “Menschenrassen” gibt. Dennoch hat sich das Konzept der unterschiedlichen Rassen tief in unsere Gesellschaft gefressen. Man erkennt es zum Beispiel daran, dass noch immer der “weiße Mensch” als “normal” angesehen wird. So wird die weiße Hautfarbe selten explizit benannt: “Ich habe einen weißen Jugendlichen in der U-Bahn gesehen”. Schwarze Menschen werden jedoch häufig über ihre Hautfarbe definiert und im allgemeinen Sprachgebrauch als Schwarze immer der Norm von Weißen entgegengestellt.

Ebenfalls sprachlich manifestiert ist auch das Paradoxon des Begriffs “Rassismus” an sich. Denn “Rasse” ist nicht mit dem englischen Wort “race” zu vergleichen, welches sich im wissenschaftlichen Diskurs auf eine ethnische Zuschreibung bezieht. Nach dem 2. Weltkrieg wurde durch die UN festgehalten, dass der Begriff der “Rasse” generell keine Verwendung mehr finden sollte und im wissenschaftlichen Diskurs nur noch der Terminus der “Ethnie” benutzt werden sollte. So erinnert das Wort “Rassismus” heute paradoxerweise an genau die Gesinnung, die es negativ darstellen möchte.

Formen des Rassismus

Es gibt mehr als eine Form des Rassismus. Die bekannteste Form wird als klassischer Rassismus beschrieben. Er leitet sich von der bereits erwähnten Rasseneinteilung ab und konzentriert sich hauptsächlich auf die Hautfarbe von Menschen.  

Ein anderes Phänomen wird im wissenschaftlichen Diskursen als Neorassismus oder Kulturalismus bezeichnet. Es beschreibt die Stigmatisierung und Klassifizierung von Menschen aufgrund ihrer kulturellen Hintergründe, nicht ihrer Hautfarbe. So bedient es sich nicht direkt einer phänotypischen Stigmatisierung, sondern bezieht sich auf kulturelle Eigenheiten, wie beispielsweise die Religion oder die Gesellschaftsordnung. Dabei werden kulturelle Unterschiede als unvereinbar mit der eigenen Kultur beschrieben und deshalb negativ konnotiert.

Vor einem Jahr war der mediale Aufschrei groß, als AfD-Politiker Alexander Gauland sich bezüglich Jérôme Boateng, einem bekannten deutschen Fußballspieler, äußerte und sagte, dass man ihn nicht gerne als Nachbar haben wolle. Dabei war auffällig, dass Gauland nicht Boatengs Hautfarbe als Grund anführte, sondern seinen kulturellen Hintergrund. Der Versuch Gaulands, die Religion als Grund seiner Aussage zu nutzen, führte zu einer weiteren Peinlichkeit des Politikers, da Boateng Christ ist und nicht wie angenommen, Moslem. Hier zeigt sich,  dass neben der Verschleierung von klassisch rassistischen Motiven die Stereotypisierungen genutzt wird, um unüberwindbare Barrieren für eine Integration zu beschreiben.  

Rassismus kann also mehrschichtig sein und unterschiedliche, fadenscheinige Begründungen haben. Sowohl dem klassischen Rassismus als auch dem Neorassismus liegt jedoch ein und dieselbe Denkweise zugrunde, die die Grundlage für Diskriminierung schafft: Das Einteilen der Welt in  “Wir” und “die anderen”. Dabei werden bestimmte Menschen, anhand von ausgewählten Merkmalen, als Gruppe definiert. So grenzen sich beispielsweise blonde Frauen als Gruppe klar von braunhaarigen Frauen ab. Denn sie besitzen nicht das ausgewählte Merkmal, welches die Mitglieder der ersten Gruppe ausmacht.

Abgrenzen und Dazugehören sind menschliche Prozesse, mit denen Identität aufgebaut wird. Doch da der Mensch leicht zu manipulieren ist, nutzen mächtige AkteurInnen häufig die Kraft der Gruppenbildung, um Leute zu instrumentalisieren- und Gruppenzugehörigkeiten wird zur Grundlage für Diskriminierung.

Deshalb ist es sehr wichtig das eigene Denken immer wieder zu hinterfragen und sich nicht von gruppenbildender Meinungsmache beeinflussen zu lassen.  Pegida und die AfD sind traurige Beispiele dafür, wie schnell die Gesellschaft aufbegehrt, wenn ihr nur ein gemeinsamer Feind entgegengestellt wird (Ingroup: Christen, Deutsche; Outgroup: Muslime, alle nicht Deutschen).

Rassismus in unserer Gesellschaft

Auch in der Politik zeigt sich immer wieder, dass Rassismus in Deutschland kein Phänomen der Vergangenheit ist. Es tritt im Gegenteil besonders dann wieder auf, wenn es rechtsradikalen AkteurInnen leicht fällt Ängste zu schüren – so geschehen im Zuge der “Flüchtlingskrise”, in der bis heute ca. 1.5 Millionen Geflüchtete aus verschiedenen Krisengebieten der Welt in Europa Zuflucht suchten. Zu Teilen rechtsradikale Gruppierungen wie Pegida konnten in Deutschland wieder Gehör erlangen, auch rechtspopulistische Parteien, wie Die Alternative für Deutschland erleben einen Aufschwung: Die AfD zieht mit 13% der Stimmen in den Bundestag ein.

In Frankreich erhält der Front National unter Marie Le Pen das höchste je erreichte Wahlergebnis für die rechtsextreme Partei Frankreichs. In der Schweiz wird über “Ausschaffungsinitiativen” debattiert und unter Victor Orban wird in Ungarn die Grenzschließung gen Osten beschlossen, um sich vor flüchtenden Menschen abschotten zu können. Rassismus wird erneut gesellschaftsfähig gemacht.

Doch es gibt auch viele Menschen, die sich gegen diese Gesinnung stellen! Viele Projekte und Unternehmen stehen immer häufiger für ein solidarisches Miteinander und rufen dazu auf sich auszutauschen, sowie miteinander in Kontakt zu treten. Auch Wefugees wurde gegründet, um Geflüchteten den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Themen zu ermöglichen, wie Einheimischen und somit Teilhabe zu ermöglichen. Schon der Name gliedert Geflüchtete, wie auch Einheimische in die WIR-Gruppe ein und löst somit Grenzen auf. Durch ein Arbeiten miteinander innerhalb der Wefugees-Gemeinschaft profitieren nicht nur Geflüchtete von einer großen Informationsfülle, sondern der Austausch untereinander lässt alle gleichermaßen lernen und teilhaben. Dadurch wird die Wefugees-Gemeinschaft zu einer Plattform, bei der Toleranz und Gleichheit grundlegende Motive des Umgangs werden.

 

Hilf auch Du mit! Engagier dich auf Wefugees und gegen Rassismus und reflektier dein eigenes Handeln!

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