Wefugees definiert Beratung für Geflüchtete neu

Soziale Netzwerke und persönlicher Austausch – darauf legen Geflüchtete in Deutschland besonders großen Wert, wie neue Forschungsprojekte nun herausgefunden haben. Beratung und Erfahrungsaustausch sollten online und möglichst persönlich stattfinden, nach dem Motto: mit Geflüchteten anstatt nur für Geflüchtete. Das soziale Startup Wefugees hat sich dies zur Aufgabe gemacht – auch Wohlfahrt und offizielle Beratungsstellen könnten hier profitieren.

Wie gelangen Geflüchtete in Deutschland an die Informationen, die sie benötigen? Mit dieser Frage beschäftigten sich unter anderem die Forschungsprojekte „Neu in Berlin“ und „Flucht 2.0“. Man ist sich einig: Neuankommende erhalten Informationen meist aus ihrem sozialen Umfeld und online Medien wie Facebook oder Whatsapp. Dabei legen sie viel Wert auf den persönlichen interaktiven Austausch, möglichst mit Menschen, die ähnliches durchgemacht haben und von denen sie sich verstanden fühlen. Soziale Medien sind für Geflüchtete so bedeutsam, weil sie den Kontakt zur Familie und Freunden aufrecht erhalten. Da liegt es nahe, dass diese Medien dann auch zur Informationssuche genutzt werden.

Ein überraschendes Ergebnis : offizielle Beratungsangebote finden wenig Anklang

Herkömmliche offizielle Beratungsangebote, die sich gezielt an Geflüchtete richten, werden seltener wahrgenommen, so das Projekt „Neu in Berlin“. Den überwiegend jungen Neuankommenden wird somit ein „grundlegend anderes Informations- und Kommunikationsverhalten“  als vorherigen Generationen zugeschrieben. Was außerdem auffällt: Vertrauen in die Verlässlichkeit einer Quelle ist nicht das entscheidende Kriterium, wenn es darum geht, wo Ratsuchende ihre Fragen stellen. Was wichtiger zu sein scheint ist die geringe Zugangshürde. Beide Projekte gaben an, dass viele Geflüchtete online Medien im Allgemeinen weniger vertrauen als persönlich vermittelten Informationen. Dennoch stellen sie viele ihrer Fragen bei Facebook, weil ihnen dies als der einfachste Weg erscheine, um schnell an die benötigten Informationen zu kommen.

Warum Facebook nicht das richtige Medium für online Beratung ist

Das Projekt „Neu in Berlin“ hat aus den neu gewonnenen Erkenntnissen eigene Schlüsse gezogen. Beratung sollte dort ansetzen, wo die meisten nachfragen: in Facebookgruppen. Für sich gesehen durchaus nachvollziehbar, jedoch ist Facebook kaum geeignet für ein nachhaltiges online Beratungsangebot. Wie Untersuchungen des Projekts selbst feststellen, ist die Dynamik von Facebookgruppen oft unvorhersehbar. Von „Überlastung, fehlende[r] Erfahrung im Management solcher Foren oder Meinungsverschiedenheiten“ ist außerdem die Rede. 

Was aus Beobachtungen des Projekts „Neu in Berlin“ sonst noch hervorgeht: Informationen in Facebookgruppen gehen schnell verloren und sind nicht mehr auffindbar, was eine effektive Beratung oftmals unmöglich macht. Fragen müssen doppelt- und dreifach gestellt werden, und erhalten z.T. unseriöse oder nur oberflächliche Antworten. Aufgrund der oft unübersichtlichen Anzahl an Beiträgen ist es nicht immer möglich, Antworten zu überprüfen und zu korrigieren. Falsche Informationen können so ungeprüft in Umlauf kommen. Dessen sind sich auch die Betroffenen bewusst. Umfragen des Projekts ergaben, dass Geflüchtete Informationen von Facebook wenig Vertrauen entgegenbringen. Dennoch „stellten sie die Fragen in diesen Foren, weil Sie entweder keine alternative Informationsquelle kannten oder die Zugangsbarrieren zu anderen Informationsquellen ihnen zu hoch erschienen.“ 

Digitale Projekte: Wege zur gelungenen Integration

Auch wenn Facebookgruppen in den letzten Jahren erheblich dazu beigetragen haben, die Koordination der Geflüchtetenhilfe und die Nachfrage nach Informationen zu bewältigen, birgt das Medium an sich einige Schwachstellen und Risiken. Wie also gehen wir aber mit der Erkenntnis um, dass Geflüchtete bei der Suche nach Informationen auf persönlichen Austausch und soziale Netzwerke Wert legen? Eine Analyse des Better Place Labs von 112 digitale Flüchtlingsprojekten bestätigt an dieser Stelle, dass Wefugees hier den richtigen Ansatz gefunden hat: die Beratung bei Wefugees erfolgt online in Form des persönlich-interaktiven Austauschs, da Freiwillige, Geflüchtete und ExpertInnen direkt miteinander kommunizieren können.  Wefugees war durch Gespräche und Co-Design Workshops mit Geflüchteten zu derselben Einsicht gelangt,die oben genannte Projektergebnisse nun bestätigen, und hatte darauf basierend die Plattform auf den persönlichen Austausch hin ausgerichtet. 

Die Untersuchung des Better Place Labs betont außerdem: Nicht zuletzt beim Thema Beratung sind digitale Projekte eine sinnvolle und wichtige Ergänzung zu bereits bestehenden analogen Angeboten der Geflüchtetenhilfe. Jedoch müssen Wohlfahrtsverbände und öffentliche Verwaltungsstellen stärker mit solchen Projekten zusammenarbeiten – nur so können diese ihr volles Potential ausschöpfen. Zudem sollten sich digitale Projekte bestenfalls an alle richten, damit Integration wirklich gelingen kann. Spricht ein Projekt ausschließlich Geflüchtete an, so kann dies ungewollt zu Ausgrenzung führen. Wenn jedoch ein gegenseitiger Austausch zwischen Einheimischen und ihren neuen MitbürgerInnen stattfindet, dann handelt es sich dabei um einen großen Schritt in Richtung Integration.  

 

 

Die kompletten Studien findet Ihr hier:

betterplace      FU      neu in berlin

 

 

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